Alpsommer 2018

 

Merlin und Moni im Goms

10. Juli

 

Moni:

 

Wir waren noch nicht einmal mit unserem Zmorgeheu fertig, da kommt die Chefin und zieht mir und Merlin das Stallhalfter an. Das Stallhalfter bedeutet normalerweise, der Tierarzt kommt zum Impfen, der Hufschmied für die Hufpflege oder der Pferdezahnarzt zum Zähne schleifen.

Die Chefin führt uns heute aber zum Pferdetransporter, wir steigen willig ein. Im Transporter hängt schon ein prall gefülltes Heunetz, das uns die nächsten 3 Stunden versüssen soll.

Nach vielen Kurven, Tunnels und einer Fahrt auf dem Autozug kommen wir in Oberwald an. Bruno und Moira, die Enkel der Chefin, verwöhnen uns mit Rüebli.

 

Danach dürfen wir uns für 2 Stunden auf einer Weide erholen. Dann geht es 1 ½ Std. zu Fuss weiter Richtung Gand, das ist die unterste Alp, auf der wir uns bis zum nächsten Samstag eingewöhnen sollen.

Kurz bevor wir die Gand erreichen, stehen uns Kühe im Weg. Sie sind gross und haben riesige Hörner, unerschrocken treibe ich sie vor mir her. Okay Anita, die Tochter der Chefin hilft auch noch mit.

Auf der Gand dürfen wir auf einer Weide wieder fressen. Die Kühe finde ich ziemlich doof. Wenn sie nahe an unsere Weide kommen, gebe ich ihnen mit bösem Blick und angelegten Ohren zu verstehen, dass sie Abstand halten sollen.

 

 

Gegen Abend packt mich das Heimweh, ich schlüpfe mehrmals unter dem Zaun durch und mache mich auf den Heimweg Richtung Tal. Merlin wiehert mir nach.

Weil Anita mir die Schuhe ausgezogen hat, komme ich auf dem steinigen Weg nur langsam vorwärts. Sie fängt mich nach kurzer Zeit immer wieder ein. Nach dem dritten Mal ausbüxen zieht sie noch einen weiteren Draht in den Zaun.

Okay, dann bleibe ich halt mit Merlin auf der Alp. Merlin erzählt mir vor dem Einschlafen, dass er vor 8 Jahren, als er zusammen mit Pharo auf der Alp war, auch abgehauen ist und sich auf den Nachhauseweg gemacht hat. Nach einer Weile hat es ihm aber

anscheinend sehr gut gefallen.

 

So für heute hatten wir genug Aufregung.

 

Gute Nacht!

13. Juli

 

Merlin:

 

Ja, Moni hat

sich beruhigt. Dazu beigetragen haben sicher auch die schmackhaften Alpkräuter, die es hier zu futtern gibt. Bis morgen haben Moni und ich noch frei, werden von Bruno und Moira verwöhnt und gehen vielleicht noch auf kleine Ausritte.

 

Anders sieht es für die 3 Erwachsenen aus. Lukas, der

Mann von Anita muss morgens und abends die 27 Kühe melken und anschliessend aus

der Milch Käse machen.

Hilfe bekommt er von Anita und von Leo, einem jungen Mann aus Deutschland.

Das heisst, jeden Tag vor Sonnenaufgang aufstehen und arbeiten bis Sonnenuntergang.

 

Auf den Fotos von heute seht ihr, wie es im Alpsommer 2010 auf dieser Alp ausgesehen hat, als ich mit Anita, Lukas und Pharo schon einmal hier gewesen bin.

Während ich arbeiten musste, hat Pharo manchmal ganz schön Unsinn gemacht...

 

14. Juli

 

Moni:

 

Heute war grosse Züglete. Der Heli flog mit dem grössten Teil des Materials, das man auf einer Alp braucht in die Licheren rauf. Das ist die mittlere Alp, sie befindet sich 200 Höhenmeter weiter oben auf rund 2140 Metern. Merlin und ich durften natürlich nicht mitfliegen, wir mussten zu Fuss gehen.

 

Übrigens Merlin ist noch etwas Dummes passiert. Er hat nicht aufgepasst und ist 3  Meter tief ein steiles Brennessselport runtergekugelt. Unten angekommen, hat er sich geschüttelt und hat weiter gefressen. Da kann ich nur sagen „Lappi mach d`Auge uf“!

15. Juli

Moni:

Hier oben wird es in der Nacht saukalt, gegen morgen habe ich mit meinem kurzen Sommerpelz gefroren. Anita hat mir versprochen, dass sie uns ab sofort jede Nacht die Decke anzieht.

Am Morgen wurden wir von Bruno und Moira eine Stunde lang geputzt. Dann musste Merlin das erste Mal den Käse zum Käsekeller tragen. Bruno hat mich geführt und Moira ist auf mir geritten. Über Stock und Stein ging es dann runter in die Gand (unterste Alp).

Im Käsekeller muss Anita jeweils den frischen Käse ins Salzbad legen und den etwas älteren Käse mit einer Salzmischung einschmieren. In dieser Zeit dürfen Merlin und ich vor dem Käsekeller ausruhen und Proluca fressen.

Nachher ging es wieder rauf in die Licheren. Das wird für die nächsten Wochen unsere tägliche Arbeit sein.

 

16. Juli

 

Merlin:

 

Was ich euch heute erzähle, ist kaum zu glauben. Am Morgen fing zwar alles normal an. Ich wurde für den Käsetransport bereit gemacht und als alles auf den Packsattel aufgeladen war, lief Anita mit uns los. Mich führte Anita am Seil, Moni lief frei hinter mir her, weil Bruno und Moira heute auf der Licheren bei Lukas bleiben wollten.

 

Mit Pharo hatte das vor 8 Jahren immer gut geklappt. Er hatte zwar zwischendurch Blödsinn gemacht, war aber immer in meiner Nähe geblieben. Bis zur Gand blieb Moni auch mehr oder weniger in meiner Nähe. Aber dann tauchte Bonito, das Maultier auf. In der Nähe graste nämlich eine Pferdeherde (inkl. Bonito), die in den nächsten Tagen auf die oberste Alp ziehen wird.

 

Eigentlich haben Moni und ich mit diesen Pferden nichts zu tun. Sie werden nämlich auf den allerobersten Weiden der Alp Lenges grasen. Anita, Lukas oder Leo müssen dann nur einmal pro Tag nachschauen, ob bei denen alles in Ordnung ist. Aber ausgerechnet heute waren sie noch auf einer Weide weiter unten und so geschah es, dass sich Moni in diesen blöden „Halbesel“ verliebte.
Anita und ich machten uns wieder auf den Weg zur Licheren, aber Moni, diese untreue Seele, blieb neben dem Zaun bei Bonito stehen. Beim Aufstieg wieherte ich immer wieder, um sie zum Mitkommen zu bewegen, aber Moni machte keinen Wank. Stur blieb sie neben ihrem neuen Freund stehen und tat als wäre ich nicht vorhanden.  Gegen  Abend brachten dann die Eltern von Leo, die einen Besuch auf der Alp machten, Moni zu mir zurück.

 

Da zeigte ich ihr den ganzen Abend die kalte Schulter, ich war nämlich sehr, sehr, sehr beleidigt.

 

27. Juli

 

Moni:

 

Hallo zusammen, endlich habe ich wieder Zeit zum Berichten. Wir hatten viel zu tun, Merlin musste bis zu 50 Kilo Käse pro Tag in die Gand runter tragen. Ich trage Moira oder Bruno. Wenn keines der Kinder mitkommt laufe ich frei mit, ohne abzuhauen!

Die Kinder holen uns jeweils ganz alleine von der Weide, binden uns beim Melkstand an und putzen und verwöhnen uns. Anita sagt, wir seien wie 2 Hündli, die möglichst immer bei ihren Menschen sein wollen.

Bis vor kurzem musste Lukas noch 2x pro Tag käsen, in den letzten Tagen wurden aber immer mehr Kühe galt gestellt, das heisst sie werden nicht mehr gemolken. Jetzt sind es nur noch ca. 250 Liter Milch pro Tag, die verarbeitet werden müssen, das gibt 25 Kilo Käse.

Gestern waren wir mit Bruno und Anita auf der obersten Alp, das ist eine wunderschöne Hochebene unterhalb des Furkapass.

 

Dort weiden 21 Pferde und natürlich mein geliebter Bonito. Anita hat uns dort abgesattelt und frei gelassen. Merlin ist einfach in die Herde reingelatscht, das war vielleicht etwas respektlos, wahrscheinlich hat uns die Herde deshalb nicht sehr freundlich empfangen. Es gab eine Keilerei, Merlin hat mich aber tiptop beschützt und wir haben uns dann etwas abseits gehalten und das frische Gras genossen.

 

 

8. August

 

Moni

 

Hallo zusammen,

 

Merlin muss nur noch selten Käse tragen, weil die Kühe jeden Tag weniger Milch geben, gibt es auch jeden Tag weniger Käse. Häufig tragen Lukas oder Leo den Käse  runter zum Käsekeller. Merlin und ich sind je länger je mehr als Zeitvertreib für Bruno und Moira da.

 

Heute brachte uns Anita zusammen mit Moira und Bruno in die oberste Hütte bei der Alp Lenges. Dort sind im Moment Freunde von Anita in den Ferien. Für Bruno und Moira ist das eine schöne Abwechslung, weil diese Familie auch        3 Kinder hat.

 

Kaum angekommen, begann ein grosses Hallo. Die Kinder sprangen den Berg hoch und riefen laut Grossmami, Grosspapi. Das war natürlich meine Chefin und ihr Mann, die vom Furkapass her zu uns gewandert kamen. Sie nahm uns genau unter die Lupe und fand ich hätte etwas zugenommen. So eine Frechheit!

 

Später begleiteten wir sie ein Stück den Berg hinauf bis zur Hochebene der Alp Lenges. Bei dieser Gelegenheit wurde auch noch gleich die Vollständigkeit der 21köpfigen Pferdeherde überprüft.

 

Als die Pferde uns sahen, kamen sie im vollen Galopp auf uns zugestürmt. Die Chefin liess uns frei und wir wurden von Bonito schon fast wie alte Bekannte begrüsst.

 

Gegen Abend musste Anita uns suchen. Als sie uns fand, staunte sie nicht schlecht, eine Fuchsstute aus der Herde wollte unbedingt bei Merlin und mir bleiben. Es brauchte einige Überredungskunst, diese Stute dazu zu bringen, zu ihrer Herde zurückzukehren.

 

11. August

 

Merlin:

 

Heute war ein besonderer Tag: Moira wurde 3 Jahre alt. Wir bekamen viel Besuch. Zum Zmittag trafen wir uns zu Pizza und Geburtstagskuchen in der Gand. Moni und ich frassen aber lieber hartes Brot, Rüebli und natürlich frisches Alpengras. Weil Moira nun schon so gross war, durfte sie zum ersten Mal alleine auf Moni zur Licheren rauf reiten. So verrückt wie das tönt, ist es nicht. Moni kennt ihren Job unterdessen genau, sie weiss, dass sie immer schön hinter mir bleiben muss und keine Abstecher machen darf.

 

Auf der Licheren hat es leider nicht mehr so viel Gras, die Kühe haben das meiste abgefressen und weil der Sommer so trocken war, ist nicht viel nachgewachsen. In einer Woche werden wir deshalb wieder runter in die Gand zügeln.